Man kann nicht lernen, wenn man es nicht „sieht“.
Anstatt einfach nur Videos zu verlinken, dachte ich mir, he, nimm die Videos, die du manchmal bekommst und wo du erkennst, was „falsch“ läuft, ohne jemanden angreifen zu wollen. Man achtet einfach nicht auf die Dinge, die so passieren, denkt nicht drüber nach und wundert sich manchmal, warum der Hund genau Nüsse folgt oder auch gar nicht reagiert. Jetzt dachte ich mir, ich nehme mal das ein oder andere Video und schreibe dazu, was ich anders machen würde. Grundsätzlich muss es jeder selbst entscheiden, aber vielleicht gibt das ein oder andere doch einen Denkanstoß und man findet sich sogar wieder. Wenn ihr dann plaudern wollt, gerne. Nur zu, schreibt mir. Ich bin ja sehr offen und erkläre es hoffentlich dann auch so, dass man es versteht.
Ach, die beiden nachfolgenden Videos sind mit freundlicher Weise überlassen worden. Also, ich poste nichts, worum ich nicht gefragt habe. Das gilt eben für Videos und auch für Fotos.
Dann beginnen wir mal.
Hier, die Hündin „Kilani“ (Rufname) mit Frauli unterwegs und der Sichtung eines Schwans. Schauen wir uns das Video an. (Leider nur ein Hochkant-Video)
Wir sehen hier Kilani, die an der Schleppleine im Wasser ist, ein wenig herumplantscht und dann plötzliche einen Schwan sieht. Sie dreht auch sofort um und will da hin. Seht ihr die Sequenz, wo der Hund losläuft, bereits Richtung Schwan unterwegs ist? Sie weiß, dass sie nicht weiter kann, aber ihr Modus ist auf „Jagd“ eingestellt. Zu erkennen, an dem Hinterfuß, den sie nur ganz langsam bewegt, als sie stehenbleibt, um den Schwan zu fixieren. Noch während sie läuft, kommt ein „nein“, was recht nett gemeint ist, aber genau gar nicht ankommt. In diesen paar Sekunden kann man sagen, ist so ziemlich alles daneben gegangen an hündischer Erziehung, was daneben gehen kann, wenn man A: will, dass der Hund folgt und B: ihn an der Jagd hindern will. Ich bin mir nicht sicher, wann Frauli den Schwan gesehen hat, aber genau in diesem Moment hätte es einen regelrechten „Abbruch“ geben müssen. Stellt euch vor, der Hund wäre nicht an der Schleppleine gewesen? Der hätte definitiv auf Frauli geschissen, sich vielleicht kurz umgedreht und hätte den Schwan verfolgt. Schwäne sind allerdings ziemlich wehrhaft und flüchten entweder ins Wasser oder in die Luft. Der Hund kann ihn nicht erwischen, aber will man es soweit kommen lassen? NEIN! In dem Moment, wo der Hund losläuft und man selbst den Schwan sichtet, nutzt dieses niedliche „nein“ gar nichts, der Hund gehört sofort zurückgerufen. Schon allein, damit sie nicht auf die Idee kommt, zu fixieren und darüber nachzudenken, wie sie die Jagd jetzt planen soll. Kein Starren, kein Denken. ABBRUCH! Reagiert der Flocki nicht … ja, zu was hat man denn die Schleppleine in der Hand? Ich hätte alles darangesetzt, dass der Hund auf der Stelle und sofort zurückkommt. Steht er neben mir, darf er den Schwan betrachten, sofern ich das zulasse. Das „Nein“ wird von dieser Hündin gekonnt ignoriert und Frauli verlässt sich auf die Schleppleine, die den Hund daran hindert, zum Schwan zu laufen. Dann kommt ein „komm zu mir“ und erneut ein „nein“, auf das der Hund genauso wie vorher NICHT reagiert. Auch das „Kilani, zu mir“ bleibt ohne Reaktion. Selbst beim dritten „zu mir“ reagiert der Hund nicht. Nein, Frauli, ich bin dir nicht böse, denn diese Fehler machen so viele Menschen, die Hunde haben, weil sie es viel zu spät sehen. Wie soll der Hund aber folgsam kommen und auch ein möglichen Stück Wild in Ruhe lassen, wenn er nicht zu reagieren braucht, weil niemand da ist, der es einfordert? Und dieses reagieren auf einen Zuruf übt man nicht dann, wenn die Situation es erfordert, wie hier der Schwan, man übt es zuhause. Egal, wo der Hund sich gerade befindet, wenn ich den Hund rufe (bei uns ist das immer der Name), dann hat das Vieh zu reagieren, Punkt! Keine Nachsicht. Ist der Hund noch ein Welpe, klar, da verwendet man den Zuruf öfter, reagiert der Hund gar nicht, holt man ihn eben unsanft, damit er weiß, dass der Name mit ihm zusammenhängt. Er muss was tun. Bei älteren Hunden, die ihren Namen eigentlich schon kennen sollten, artet das Rufen immer ihn eeeeeennnndloses Gerufe aus, bis der Hund vielleicht mal reagiert. Aber man will einen Hund, der beim ersten Mal, maximal bei zweiten Zuruf reagiert, was aber nur geht, wenn ich daran arbeite und nicht ein drittes, vierte oder fünftes Rufen toleriere. Der Hund hört schon beim ersten Mal recht gut, aber er muss eben lernen, dass das erste Rufen Gesetz ist und nicht das zehnte, auf das er vielleicht reagiert. Ist das im Hund drinnen, hat man auch draußen alle Chancen der Welt, dass der Hund auf den ersten Zuruf reagiert und nicht erst kommt, wenn der Schwan gerupft, gegrillt und gefressen ist.
Noch ein Video von Kilani.
Das hier ist jetzt nicht so schlimm, eher witzig, ein paar Worte will ich dennoch verlieren. Kilani ist noch immer im Wasser unterwegs und, schaut mal genau, reagiert auch auf den Zuruf, was aber von Frauli nicht wirklich erkannt wird, denn die Hündin bricht die Aufmerksamkeit von selbst wieder ab. Schade. Dann entdeckt sie den Baumstamm und klettert drauf. Der schwimmt aber. Ganz ehrlich, ich hätte den Hund tonlos beobachtet und gelacht, wenn sie ins Wasser gefallen wäre. Man lernt nur aus Fehlern und wenn sie schon so mutig und neugierig ist, dann muss sie auch damit leben, wenn sie ins Wasser fällt. Was für mich persönlich lustig ist. Frauli ruft, sagt wieder „nein“, Reaktion null, gut die Hündin hat mit dem Gleichgewicht zu tun, aber … warum zum Henker habe ich eine Leine in der Hand und hindere den Hund nicht daran, auf den Stamm zu klettern, wenn ich nicht will, dass er ins Wasser fällt? Dann wird gerufen „Kilani geh runter da“, was der Hund in dem Moment gar nicht so kann, weil sie mitgekriegt hat, dass der Stamm schwimmt. Hier würde ich den Hund die Erfahrung selbst machen lassen. Geh rauf, fällst runter, dann denk vorher nach. Kilani kann nicht wissen, dass es wackelig ist, aber sie kann lernen, ihr Tun einzuschätzen, was aber verwehrt wird, wenn ich sie nicht tun lasse, was sie gerade vor hat. Also Frauli, lass sie beim nächsten Mal ins Wasser fallen und lass die Schleppleine los, wenn sie sich verhängt. Und was ich noch dazu sagen wollte. Die Schleppleine ist kein Übungshelfer. Hunde wissen, wenn sie an der Leine sind und sie wissen auch, wenn man sie losmacht. Schleppleinenhunde sie oft Hunde, die nie folgen, weil diese Leine immer da war und Frauli oder Herrli sich immer darauf verlassen haben.
Wenn ihr auch Videos habt, ihr könnte sie mir gerne schicken. Ich nehme aber nur die, wo ich wirklich was erkenne. Sonst macht das Ganze keinen Sinn und wenn ihr schon filmt, bitte im Querformat, nicht hochkant. Thank you.
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